Mehmet 

Foto: VDP

Mehmet Bolat, Bachelor Verfahrenstechnik Papier und Biofasern Mehmet ist 30 Jahre alt und ist durch den Meister in Papiertechnologie zum Studieren gekommen.

Hallo Mehmet, bist du aus München oder aus der Umgebung?

Ich wohne in Rosenheim, von hier aus pendle ich immer zur Hochschule.

Wie lange studierst du schon an der Hochschule?

Ich studiere seit dem Winter-Semester 2017 an der Hochschule. Derzeit bin ich im 6. Semester und habe vor, nächstes Semester die Bachelorarbeit zu beginnen. Ich möchte das Studium in der Regelzeit absolvieren, also in 7 Semestern.

Was hast du vor Beginn des Studiums gemacht?

Zunächst habe ich eine Maurerausbildung gemacht. Als Maurer habe ich zwei Jahre gearbeitet. Danach habe ich eine Ausbildung zum Papiertechnologen gemacht und dann noch den dazugehörigen Meister. Durch den Meister habe ich eine Art Abitur bekommen, das es mir ermöglicht hat, nochmal zu studieren.

Wie kamst du auf den Bachelorstudiengang Verfahrenstechnik Papier und Biofasern?

Ich habe die Ausbildung als Papiertechnologe gemacht. Danach noch den Meister. Das war in Steyrermühl in Österreich. Kurz vor Ende der Meisterausbildung war Prof. Dr. Kleemann, ein Professor des Studiengangs, an der Meisterschule und hat einen Vortrag über Papier- und Verpackungstechnik gehalten. So bin ich zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden, dass man das studieren kann. Danach habe ich mit meinen Ausbildern geredet und die meinten, dass sie sich sowieso überlegt hatten, mich zum Studieren zu schicken. So hat sich das ergeben.

Hat dir das Studium von Anfang an gefallen?

Die ersten zwei Semester fielen mir sehr schwer. Da ich kein Abitur gemacht habe, hatte ich nur sehr wenige Kenntnisse über die naturwissenschaftlichen Fächer. Danach, als es praxisbezogener wurde, konnte ich wieder mehr damit anfangen und von da an hat es mir sehr viel Spaß gemacht.

Wo hast du dein Praxissemester gemacht?

Das Praxissemester habe ich in der gleichen Firma absolviert, in der ich auch die Ausbildung gemacht habe. In dieser Firma arbeite ich immer noch. Während des Praxissemesters war ich ca. zwei Monate an deren Sitz in den USA. Die Firma hatte davor eine Papiermaschine in eine Filtermaschine umgebaut. Nach der Installation war ich dafür verantwortlich, eine Ist-Aufnahme des Werkes zu machen. Dadurch konnten Optimierungspotenziale erarbeitet werden. Nach den zwei Monaten beendete ich das Praxissemester hier in Deutschland in der gleichen Firma.

Sollte das Leben in die Arbeit passen oder die Arbeit in das Leben?

Die Arbeit muss einem gefallen, sonst hat man nur Kopfschmerzen. Als ich als Maurer gearbeitet habe, hat es mir schon gefallen, aber als ich begonnen habe in einer Papierfirma zu arbeiten, hatte ich richtig Spaß an der Arbeit. Die Arbeit sollte zum Leben passen, sonst muss man was dagegen tun, damit es in der Arbeit schön ist.

Was ist dein Lieblingsfach im Studium?

Ich hatte früher keine Kenntnisse von Chemie, aber seit dem Grundstudium hat mir das Fach Chemie und das Fach Papierchemie am meisten Spaß gemacht. Durch diese Fächer hat man viel Grundwissen bekommen. Danach konnte ich mehr mit der Materie anfangen.

Wie organisierst du dich im Studium? Was ist daran schwer?

Ich bin eher ein Planer. Gerade in der Lernphase mache ich mir einen Lernplan. Dabei schreibe ich mir die Fächer auf und teile mir Tage und Wochen ein, an denen ich für diese Fächer lernen möchte. Kurz vor der Prüfung schaue ich meistens, dass ich nochmal alles anschaue und konzentriere mich dann vor allem auf das Fach, bei dem die Prüfung bevorsteht. Zudem habe ich einen Kalender, in dem ich alle meine Termine aufschreibe.

Hast du ein Auslandssemester gemacht? Wo? Was waren deine Eindrücke? Was konntestdu für dich mitnehmen?

Im Praxissemester war ich in den USA im Bundestaat Wisconsin. Am Anfang war es sehr schwer, da, obwohl ich Englisch kann, es jeden Tag anzuwenden doch nochmal ein großer Unterschied war. Diese Wochen haben mir aber sehr viel geholfen, mein Englisch zu verbessern. Mit der Zeit wurde es viel fließender und ich war nicht mehr so ängstlich, Fehler zu machen. Zudem habe ich die Vorurteile zu den Amerikanern aufräumen können, es waren alle sehr nett und haben mich herzlich aufgenommen.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Erfolg für mich persönlich bedeutet, dass man zufrieden und glücklich im Leben ist. Weil wenn man nicht zufrieden und glücklich ist, bringt einem auch Geld nichts.

Was hast du nach dem Studium vor?

Gerne würde ich nach dem Bachelor noch den Master in Paper Technology machen. Aber ich würde auch gerne schon zu Arbeiten beginnen, vielleicht kann ich den Master auf Teilzeit machen. Das muss ich noch schauen.

Was sind deine Eindrücke vom Studium?

Durch die kleineren Gruppen können Professoren/innen persönlich auf jeden einzelnen eingehen. Zudem nehmen sie sich Zeit für uns, das ist wirklich wertvoll.

Was ist der größte Unterschied zur Ausbildung?

Im Studium hat man viel mehr Stoff, den man sich in kürzester Zeit aneignen muss. In der Ausbildung hat man dafür drei Jahre Zeit. Zudem ist das Studium weniger praxisbezogen als eine Ausbildung.

Das Interview führte Anna-Sarah Charlotten Weigel (SoSe 2020).